"Es ist perfekt, wenn Sie sich selbst lassen und sein lassen."
Fritz Perls, Begründer der Gestalttherapie
Gestalttherapie in Kürze:
Die Gestalttherapie gehört zu den humanistischen Psychotherapieverfahren.
Sie betrachtet den Menschen in seiner Ganzheit mit all seinen Empfindungen, seiner individuellen Lebensgeschichte und seinem sozialen Umfeld.
Symptome werden nicht als einfache Krankheitszeichen gesehen, sondern als Verhaltensweisen, die in der Vergangenheit nötig waren, gewürdigt und akzeptiert; und für der Gegenwart neu bewertet.
Sowohl im Gespräch als auch im emotional erfahrbaren Experiment werden neue Sichtweisen, Wege und Möglichkeiten erarbeitet.
Ziel ist es, das Leben in Einklang mit den eigenen Bedürfnissen und Ressourcen zu bringen und Raum zu schaffen für Wachstum, Kreativität und Selbstentfaltung.
Gestalttherapie im Detail:
Die Gestalttherapie wurde in den 1940er- und 1950er-Jahren hauptsächlich von Fritz Perls, seiner Frau Laura Perls und Paul Goodman entwickelt. Fritz Perls war Psychiater und Psychoanalytiker, der sich von der klassischen Psychoanalyse löste, weil ihm die starke Orientierung auf die Vergangenheit im therapeutischen Setting einengend erschien. Laura Perls, ebenfalls Psychologin, brachte eine starke theoretische und philosophische Basis ein, insbesondere aus der Gestalttheorie und existenziellen Philosophie. Der Schriftsteller und Sozialkritiker Paul Goodman trug vor allem die sozial-kulturellen und kommunikativen Aspekte bei. Zusammen legten sie den Grundstein für eine Therapieform, die das Hier-und-Jetzt-Erleben, Bewusstheit, persönliche Entwicklung und Selbstregulation in den Mittelpunkt stellt.
Die Gestalttherapie ist somit in gewisser Weise als Weiterentwicklung und gleichzeitig in Abgrenzung zur Psychoanalyse zu sehen.
Der Dialog "auf Augenhöhe" zwischen Klient*innen und Therapeut*innen ist an die Stelle des freien Assoziierens und des Analysierens gerückt.
Es ist lange erwiesen, dass die therapeutische Beziehung einer der wichtigsten Wirkfaktoren in der Psychotherapie ist. In der Gestalttherapie wird die therapeutische Beziehung als heilende Begegnung im HIER und JETZT verstanden, in der durch authentischen Kontakt, Achtsamkeit und Dialog Wachstum und Veränderung möglich werden.
Der dialogische Ansatz des Philosophen Martin Buber, insbesondere seine Schrift „Ich und Du“ hatte Einfluss auf die Gestalttherapie und das tiefe Verständnis des Wachstums durch Dialog und Kontakt.
Die Entwicklung der Gestalttherapie wurde zudem wesentlich durch die Gestaltpsychologie, insbesondere durch deren Prinzip der Ganzheitlichkeit, sowie durch Wilhelm Reichs theoretische und praktische Auseinandersetzung mit Körpersprache, Mimik und Gestik beeinflusst.
Mögliche Themen:
Wir sind alle geprägt von Erfahrungen und Erlebnissen, die Einfluss auf unser heutiges Empfinden und Handeln nehmen. Es gibt Momente, in denen wir dieses Empfinden und Handeln infrage stellen:
·
Warum fühle ich mich manchmal unwohl im Kontakt mit anderen Menschen?
·
Warum stecke ich in wiederkehrenden Mustern fest, die mir nicht guttun?
·
Warum fällt es mir schwer, etwas zu verändern?
·
Warum fühle ich mich immer wieder ungenügend?
·
Wie komme ich raus aus dem Gedankenkreisen?
·
Kann ich einen Weg aus der Erschöpfung finden?
·
Ich möchte eigentlich viel gelassener sein. Warum verharre ich in der Kontrolle?
·
Ich spüre keine Freude mehr? Wie schaffe ich Raum für die schönen Dinge?
·
Manchmal überwältigen mich meine Gefühle. Wie kann ich damit umgehen?
·
Es geht nie um mich! Wie kann ich wieder zu mir und mehr Autonomie kommen?
·
Warum stecke ich in einer unerfüllten Beziehung fest?
Der therapeutische Kontakt, das Gespräch und das gestalttherapeutische Experimentieren können helfen, die eigenen Ressourcen und Gefühle besser wahrzunehmen und Schritte in die Veränderung zu gehen.
Auch Lebensumbrüche können eine therapeutische Begleitung sinnvoll machen:
·
Wie kann ich Trennung, Verlust oder Krankheit begegnen?
·
Wie gehe ich mit neuen Aufgaben und Herausforderungen um?
·
Die Elternschaft belastet mich. Darf das sein?
·
Das Älterwerden schmerzt. Wie möchte ich damit umgehen?
·
Die Eltern werden älter. Wo soll mein persönlicher Weg damit sein?
Die wertschätzende respektvolle Haltung, die Begegnung auf Augenhöhe und das authentische Miteinander – allesamt typisch für die Gestalttherapie - können sinnvoll sein, Gefühle besser einzuordnen, sich persönlich zu entwickeln und zu mehr Lebenszufriedenheit führen.